Zwischen Reichsgründung, Industrialisierung und gesellschaftlichem Wandel: Wie die moderne deutsche Parteienlandschaft entstand.
Nach der Reichsgründung unter Otto von Bismarck entwickelte sich Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte von einem überwiegend agrarisch geprägten Staat zu einer der führenden Industrie- und Wirtschaftsmächte Europas. Diese Entwicklung führte auch zur Entstehung neuer politischer Kräfte, die um Einfluss, Reformen und die Zukunft des Reiches rangen. Im Mittelpunkt des Podcasts steht die Frage, wie und warum sich die großen politischen Parteien des Kaiserreichs, darunter die Zentrumspartei, gründeten. Wer vertrat die Interessen von Arbeitern, Bauern, Unternehmern oder Katholiken? Welche Konflikte prägten die politische Landschaft? Und warum entstanden gerade in dieser Epoche Strukturen, die das deutsche Parteiensystem bis heute beeinflussen?
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den wichtigsten politischen Bewegungen jener Zeit und wie eng die großen Auseinandersetzungen im Kaiserreichs - der Kulturkampf zwischen Staat und katholischer Kirche, die Sozialistengesetze Bismarcks sowie die Debatten über Arbeiterrechte, Wahlrecht und soziale Sicherheit - mit der Entstehung der Parteien verbunden war. Über die Institutionen und Parteiprogramme hinaus soll es auch um die Menschen hinter den politischen Bewegungen gehen: Wer engagierte sich in den Parteien? Wie wurden Wahlkämpfe geführt, als es weder Fernsehen noch soziale Medien gab? Und welche Rolle spielten Zeitungen, Vereine und politische Versammlungen bei der Mobilisierung der Wähler?
Im Austausch mit unseren Experten-Gästen beleuchten wir, warum manche Parteien dauerhaft erfolgreich waren, während andere wieder verschwanden. Wir schauen auf die Auswirkungen von Industrialisierung, Urbanisierung und gesellschaftlichem Wandel auf die politische Kultur und zeigen, wie aus Interessenvertretungen moderner Massenparteien wurden.
Werfen Sie mit uns einen informierten Blick auf die politische Geschichte des Deutschen Kaiserreichs – eine Epoche, in der die Grundlagen der modernen Demokratie entstanden und das Ende der Monarchie eingeleitet wurde.
Moderiert wird die Sendung von Steffi Orbach, als Co-Moderator fungiert Matthias von Hellfeld. Autorin des Beitrags ist Wiebke Lehnhoff. Mit dabei sind:
· Prof. Christoph Nonn, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
· Prof. Bernd Braun, Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte
· Prof. Torsten Oppeland, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Die Aufzeichnung wird als Sendung ab 10. November um 15 Uhr in der Deutschlandfunk App verfügbar sein.